Brief N 6                        Laibach am 18. Juny 1845. 

Mein lieber, teurer Schwager!

Ich habe vorige Wochen dein werthes Schreiben von Mainz beantwortet, und bin seit dem ohne weitern Berichten von Euch, wohl aber haben wir heute durch die Loschinischer erfahren, das H. Fabriotti ihnen von Aichen aus geschrieben, woraus wir die angenehme Gewisheit erhielt[en], daß Ihr Eure Reise ungestört gesund und vergnügt fortsetzet. Dies ist der 3t Brief den ich Euch nach Paris schreibe, ich hoffe das er Euch noch leicht dort erreichen wird, erstens da Ihr nun Eure Reise etwas längsammer fortsetzt und zweites weil ich voraussetzte, daß Ihr 2 o 3 Wochen Euch in den weltberühmten Paris aufhalten werdet.

Mit meinen heutigen beabsichtige ich Dir einiges über unsere Wasseranstände zu Josephstal mitzutheilen. Langer schikte uns gestern die Post, daß es nun nothwendig ist Anstalten zu treffen, weil wir sonst in wenigen Tagen zu schwaches Triebwasser haben wurden. Infolge dessen verfügten wir uns mit Galle auf die Fabrik und ordneten sogleich das herausführen mitelst Wägen [auf ] der rechten seite der Schoderbank an, was nun nach und nach fortgesetzt werden wird. Ferners verfügte ich mich zum Nachbar Schimen um seine Meinung zu hören ob und wan er den Durchbruch zu schließen gede[n]kt. Solcher wolte mir keine bestimmte Zeit diesfals angeben, und sagte nur sobald als das Wasser hinlänglich abfallen wird, werde er die Arbeit vornehmen, und zwar sei er entschlossen für die Folge bei den gegenwärtigen Durchbruch stat wie früher das Ganze mit Mauerwerk auszufüchlen, gleiche Anzahl, Eintheilung und Größe von Einlässen anzubringen wie solche derzeit bei seiner jetzigen Mühle bestehen und gleichzeitig auch einen Ausflußkanal hinter diesen neuen Einlässen in die Laibach anzubri[n]gen, weil er beabsichige heut oder morgen dort eine neue Mühle zu errichten, indem er glaube das dort die Lange günstiger dazu sein, vorläufig aber wolle er diese Einlasse benützen, um solche bei großen Wasser zu öffnen. Er bemerkte mir ferners das wir übrigens nicht befürchten sollen das er uns mehr Wasser als bis nun nehmen würde, den solte die neue Mühle errichtet werden, so würden dan die andern Einlässe abgespert. Auch lies er die Worte fallen, das

ihm niemand zum Schliessen des Durchbruches, wen er solchen auch 1 Jahr wollte offen lassen, //2 zwingen könte, alein er wolte wie gesagt diese Arbeit derart machen sobald der Wasserstand ungü[n] stig scheinen wird. Ich war allein bei ihm, und wir besprachen alles dieses mit kalten Worten ohne Hitze, und ich ersuchte ihn nur oftmahl an die Arbeit ja ehemöglichst bald fortzunehmen, weil wir sonst in kurzer Zeit in die Lage versetzt werden könten ganz im droknen1247 zu sein, und sagte ihm das wir Vorläufig nun einen Theil der Sandbank werden ausführen lassen, und den niedrern Theil unserer Wehrer provisorisch erhöhen werden, wozu er keine Einwendungen machte. Er glaubt übrigens das unsere zu hohe Wehrere an seinem Durchbruch Ursache wäre, und wil nicht zugeben das unsere Versandung in folge seines Durchbruches geschehen, wohl aber in etwas Veranlassung dazu gegeben haben könte, so[n]dern gröstentheils daher rühre weil wir bei ganz hohen Wasserstand alle Schläusstur geschlossen haben, wodurch den Übelstand eintrit das kein Schotter abgeführt werden kann.

Aus allen diesen glaube ich nun kaum das wir mit Schimen im gütlichen Wege werden zurecht kommen, es scheint wirklich, daß er glaubt wir solten den Durchbruch auf unsere Kosten schliessen, obwohl er es nicht ausspricht.  Wir haben mit Galle beschlossen uns diesfals mit einen Advok[at]en zu berathen, um zu höhren was er glaubt, wozu wir berichtiget sind in solchen Falle vordern zu können, und wählten nach langen hie und hersinnen den Dor Wurzbach als den aufrichtigsten, um einen wohlmeinenden Rath zu ertheilen. Übermorgen wollen wir ihn hienabführen um ihm in Loco die Sache anschaulich zu machen.

Wir werden jedenfals einen Prozes zu vermeiden trachten, weil solchen außer Kosten, selbst in unser[er] Angelegenheit nutzlos wäre, weil es zu lang währt bis uns Hülfe geleistet wird, es sei dem das wir den Durchbruch vorläufig auf unsere Kosten sogleich schliessen, und uns vorbehalten seiner Zeit demjenigen die Kosten zur Last zu schreiben, dem das Unrecht gerichtlich imfals eines Prozeses ausgesprochen wird.

Ich habe mich über diesen Gegenstand so weitläufig ausgedrückt, um dich von der Lage der Dinge bekant zu machen, damit Du mir nun mit Eingang der Post schreiben kanst, in wie ferne Du mit der Erichtung der neuen Einlässe des Schimen einverstanden bist. Die Stellen, besonders die Morastentsu[m]pfung werden solche wünschen, und ihm keine Einstreuungen machen, wir jedoch haben das Rath die Herstellung auch den alten Stand zu verlangen. Ich habe mir von der Bzsks.1248 Umgebung Laibach den Plan [et] Schrieften der Erbauung [et] Bewilligung des Schimnische Mühle [et] Wehre und Haus bringen lassen, finde jedoch diesen Punkt nirgends angeführt, das Schimen gehalten wäre jene Mauer wo jetzt der Durchbruch ist immer in gleicher Höhe und Stand zu erhalten, aber dem ungeachtet habe wir meiner Ansicht nach das Recht die alte Herstellung nach alter Art zu verlangen. Es ist in dieser Verhandlung von Jahr ‘837 [et] ‘838 überhaupt gar nicht nichts erwähnt von dieser die Schutzwand, welche nun das Wasser zerstörte. Hätte man alles Voraus gesehen, so wäre es wohl am besten gewesen wen wir gleich nach den ersten Durchbruch auf unsere Kosten die Arbeit gemacht hätten, wir hätten durch längeres Arbeiten und geringerer Anschotterung bereits //3 //na dnu// unsere Auslagen schon gedekten.

Schimen wird außer der Absicht seiner Zeit dort eine neue Mahlmühle zu erichten die neuen Durchlässe schon deshalb haben wollen, das ihm das große Wasser durch solche den Schotter abführt und das zugleicht ein Theil des überfließigen Wassers dort abfalle. Was könten diese Einlässe nach meiner Ansicht in so weit keinen Schaden bringen, wen es bestimt würde das mir bei ganz großen Wasserstand solche geöfnet werden dürften, außer vieleicht Veranlassung zu Anhäufung von Schotter, wen nicht diesen scharfen Zug über das Wasser zu uns haben solte, wie die Erfahrung es diesmahl bewährte Schreibe mir daher ausführlich diesfals Deine Ansicht, und bist Du für die Erichtung der neuen Schleissen, was ich kaum glaube, so bemerke mir gleichzeitig wen es Dir möglich welche

Norm man annehmen solte zum Öfnen der Schleissen, das ist wie viel Schuch hoch muste das Wasser über die Schimnische Wäser fallen, bis es gestattet wäre die Wehre zu öfnen? Ich glaube wo möglich solten wir die neuen Einlässe ihm verweigern, obwohl dan wieder Schimen nicht zum Schliessen des Durchbruches schritten wird. Meiner Meinung nach wäre es gut, wen wir ihn nicht zu Schliessung zwingen können, die Zeit abzuwart wan er die Schliesung nach seiner Art wird vornehmen wollen, und sodan wärend den Baue ihm eine sogleiche Einstellung der Arbeit aufzutragen, den es ist dan kaum zu erwarten das er seine Vorspächre1249 wieder abnehmen wird, und das Wasser wieder durch den Durchbruch wird laufen lasse[n], da ihm ja das nächste große Wasser droht sein ganzes Gefluder weg zu reissen.      Bischof hat uns noch nichts geschrieben über seine Angelegenheiten, wohl aber haben wir Galle und ich ihm vor baar Tagen darüber unsere Meinung als wohlmeinde Freunde im einen Brief mitgetheilt, worin wir i[h]m abrathen den Ankunft der Gratzer Fabrik,1250 so wie auch bemerkten das es nur bei unserer großen Geldverlegenheit unmöglich wäre i[h]m als 4.t zu entbinden und auszubezahlen, wohl aber schlugen wir ihm vor imfal er durchaus die Fabrik aldort erkaufen wolle (wozu wir ihm aber nicht ricthen) daß er imfal er diesponieble Gelder hätte, solche hier einlegen könne um als 5.t Geselschafter noch bei zutretten, da er dan umso mehr Ursache hätte Krain als sein künftiges Vaterland zu betrachten, auch bemerkten wir ihm das der Besitzer des Thirgartens gestorben sein, und es vieleicht in der Möglichkeit wäre diese Besitzung die ihn früher angesprochen werthvol zu erkaufen.

Ich war heute in Eselsangelegenheit bei der Fr. Janesch1251 die mir unaufgefordert sagte das sie kaum den Thirgarten behalten werde, daß ihr jetziger Oberknecht ihr ƒ 700 jahrliche Pachtung angetragen, daß sie diese Realität in der Zeitung zum Verkaufe antragen wollen, und sie solche jedoch nicht unter ƒ 20/m zu verkaufen gedenke. Sie glaubt es könte welche Triestiner wegen der Wasserkrauft1252 darauf reflektiren. //4

Das Repsöhl stehet gegenwärtig sehr im hohen Preis, die Canishaner wollen schon ƒ 21. – wir verkaufen es heute hier mit Verzehrungst.1253 a ƒ 20. – . Kuk u Hudowirnik1254 kauften heute von uns 20 Zenten af p. transito1255 ƒ 19.10 u. pr Cassa1256 um es nach und nach zu bezichen. Diese Woche wird alles ausgeprest sein auch der Hanfsamme, und Burkhard dan seine Braut abhohlen gehen. Wir haben circa 1200 Zent Öhl am Lager. Die Repssammen Preise sind nathürlich jetzt auch hoch, und wir werden verläufig wohl weder etwas aus Besce,1257 Pansowa1258 nach Kanischa etwas erhalten, bis der erste Läme vorüber gehen wird, den ich hoffe das die Preise später doch weichen müssen.

Der H. Fabriotti aus Venedig1259 ist samt Familie hier auf einige Wochen. Fr. v Galle sammt Tilli Luschin sind heute nach Neuhaus ins Baad.

Bei uns ist fast alles gesund und in Ord[n]ung, ebenso auch in Kaltenbrun. Stroh und Heu wird es in Menge und Fühle geben.

Schreibe mir doch auch in Deinen Nächsten ob Bischof nach Laibach komt heuer und wan?

Eurer baldigen Berichten e[n]tgegen sehend, hoffen wir von Paris auch zugleich bestimte Anzeige wohin von dort aus die Reise gewohnen wird. Auch habe die Güte in Deinen nächsten Schreiben mir zu bemerken, wen es Dir noch erinerlich ist, wem Du die Verhandlungs Schrieften über die letzt gepflogen Wehrangelegenheiten1260 zwischen uns und Schimen übergeben hast, ich glaube daß Du solches am Sontag Nachmitags den Tag vor Deiner Abreise dem H. Galle in seiner Wohnung zugestelt hast, der jetzt aber nichts davon wissen will. Jene Papier über Ankunft der Schemerischen Mühle [et] der Grundstücke hat Fabriotti im Comtoirs. H. Galle las schon in einigen Schrieften und Bericherte mit Lenard1261 das die Englander und Franzosen um 2/3 mehr Öhl aus 4 Metzens (bei einen Gewicht von 75 p Metzen) Reps hereausbringen als es bei uns der Fall ist, es wäre daher sehr gut wen Du in Frankreich an einen oder dem andern Ort davon überzeugen würdest, wahrscheinlich muß es dan2 mahl geprest werden.

Von allen Bekanten viele Empfehlungen und von uns unsere alseitigen herzlichsten Grüsse und Küsse, mit inniger Liebe geharret Euer treuer Bruder

ValZeschko 

An H. Fabriotti unsere alseitigen Empfehlungen.

S. Solte man vieleicht Schimen doch einen Antrag zur Beisteuer in Geld oder Arbeitslauten zur ehern Herstellung des Durchbruches machen? Von einen fernen Erhöh[l]ung des nie[d]rigern Theils unserer Wehrer wolte ich ihm gar nichts vorbringen, weil er ohnehin glaubt das wir solche zu hoch hergestelt haben, und es zwekmässiger wäre anstad1262 die Niederung zu erhöhen, die höhere Theile abzunehmen. Er ist ein verschreitzter Bauer, der mitelst Dr Kautschitz pokig und inponirend gerne auftretten möchte, und glaubt auf seiner //ob levem robu// Seite köne er machen was er immer wohle, leider ist er ober unser und wir hängen daher immer von ihm ab, schade das Possaner tod ist der würde es bald in Götlichen Wege geord[n]et haben, den ein Proceso wäre möglichst zu vermeiden.

//Na 3. strani zgoraj// Zumtheil könte uns der Ausfluß aus den neuen Schläussen vielleicht auch nachtheilig auf die Öhleray wirken, weil die Wasserschluß von dort, noch schwehrer unser Öhlrad arbeitet lassen dürfte, obwohl in ganz großen Wasserstand wir nicht arbeiten werden.

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