Felach den 25. July 1825. Früh um 10. Uhr.

 

Mein geliebter, guter Fidelio!

 

Vergebens würde ich es versuchen, Ihnen meine heutigen Empfindungen zu schildern, – Freude über die Besserung meiner Mutter, und die bange Sorge um Ihre arme Schwester, wechseln fortwährend in meinem Innern. So oft ich meine gute Mutter ansehe, so möchte ich, in dem übermaße meines danckbaren Herzens, hinsincken vor dem Allmächtigen, und ihm dancken, daß er die Gefahr so glücklich Vorüber gehn ließ. –– Nie! nie in meinem Leben werde ich es vergessen,

welchen Trost Sie mir in diesen langen Tagen, durch Ihre Gegenwart gewährten, doch bin ich etwas unruhig darüber, –– oft dencke ich mir, wer weiß wie viel Ihnen dieses Opfer gekostet hat, –– und Ihr verehrter Vater, war vielleicht auch ungehalten über Ihr verzügertes Ausbleiben? In Betreff der //2 Schwester bin ich aber gar entsetzlich in Sorgen, ich wäre untrostlich, wenn die Sache nicht einen guten Ausgang genohmen hat. –– Gott gebe, daß ich darüber bald in Kentniße gesezt wäre. ––

Die Mutter kann das Beet noch nicht verlassen, und wer weiß, wann es wird gescheen können, da die Witterung gar so schlecht ist, – und der Doctor, die mindeste Überkühlung für äußerst gefährlich erklärt, er sagt, sobald sie sich im mindesten erkühlen möchte, könnte das Übel wiederkehren, – nun mag Gott wissen, wann wir im Stande seyn werden, nach Hause zu reisen. – Zum Glück habe ich den ganzen Tag mit der Mutter zu thun, sonst wäre es mir vor dem langen Hierbleiben entsetzlich bange. Ich habe noch an gar keiner Unterhaltung theillgenohmen, und fürchte mich fast, darauf, wenn ich es werde thun müssen, –– weill ich gar kein Interesse daran finden, – am glücklichsten bin ich, wenn ich ganz allein bey der Mutter auf unserm Stubchen seyn kann. –– //3

//Vstavek s str. 4// Ob Sie wohl an Ihre arme Pepi, sich manhmahl erinnern? mir ist es wohl sehr langweilig, und überall fehlen Sie mir, mein guter guter Freund. Wenn ich nur wüßte wann ich Sie wiedersehen werde. ––

Sie werden sich das unzusammenhängende, in diesem meinem Schreiben erklären, wenn ich Ihnen sage, daß ich wenigstens schon 10. mahl weggerufen worden bin, kaum erfasse ich einen Gedanken, so heißt es wieder aufstehe.

Nachmittag um 6 Uhr.

 

 

Ach! mein guter Gott, warum leßt Du mir soviell auf. Ich zittere an allen Glieder. O! Gott, o Gott das ist zu viell. Ich bin die Schuld, daß mein heiß geliebter, die geliebte Schwester nicht mehr sah.

O! mein Himmel ist denn dieser Gedanke zu ertragen, nein! nein, es wil mir das Herz versprengen. Nein! mein Fidel warum bin ich nicht bey //4 Ihnen, Sie Armer, wie müssen Sie leiden, aber auch ich, o gewiß auch ich. Ich bin ganz außer Fassung, ich kann Sie nicht trösten, aber Gott wird es thun, und unsere Religion, daß ist auch mein einziger Trost. Mein Gott wie werde ich leben können, jezt soll

ich Sie nicht sehn, jezt wo wir nur gegenseitig uns trösten könten. Ich bitte Sie, bleiben Sie nicht in Krainburg, gehn Sie fort, wenn es Ihrer Geschäfte wegen seyn muß, so sey es in Gottes Nahmen nach Laibach, –– wenn nicht so eillen Sie hieher. –– Ergeben Sie sich in den Willen Gottes, und schonen Sie sich meinetwillen, –– wenn noch Ihnen etwas zustößt, so muß ich erliegen. Ich kann nicht mehr schreiben, ich sehe vor Thränen nicht, was ich schreibe. ––

Pepi //5

 

//Nadaljevanje na str. 2’// Ich wollte aufhören, und ich sehe ich kann nicht anders als noch mit Ihnen sprechen, aber waß, daß weiß ich nicht. Mein Gemüth ist ganz zerstört, ich soll nicht weinen sagen alle, sie wollen mich nicht ins Zimmer zur Mama lassen, damit mein Schmerz sie nicht zu sehr ergreiffe, ich soll nicht weinen? O! kalte Menschen! Soll denn mein Herz vor Wehmuth zersprengt werden? Gönnt man mir diese Erleihterung nicht? –– Was sind das für Menschen, die so etwas fordern können?

Ich habe Ihnen noch gar nicht gedanckt, für Ihre so zarte Schonung! Wie habe ich aufgefaßt als ich las, es sey ihr beßer, und dann –– O! Gott! –––– Sie haben eine Schwester verlohren, aber ich will sie Ihnen ersetzen, Sie //6 sollen sehen, wie ich nur für Sie auf dieser Welt seyn will, ach! ich liebe Sie ja so von ganzer Seele.

Sorgen Sie nicht um uns hier, es geht der Mutter ja recht wohl, und auch mir, ausser meinen Gemüthsleiden, dieses Leiden wird nicht beßer, bis ich Sie sehe, dann wird es gewiß leichter. Was ich alles zusammen geschrieben habe, weiß Gott, haben Sie doch Nachsicht mit mir.

Ihre Briefe werden meine einzige Erhollung hier seyn, ich werde Ihnen so oft als möglich schreiben. Gott! sey Ihr Tröster.

Ihre

Sie innig liebende

Pepi

 

Sie können sich vorstellen, wie sehr Sie von meiner Mutter bedauert werden. //7

 

Immer glaube ich, Sie werden mir zürnen, daß ich Sie solange hier aufhielt, und der Gedanke foltert mich, daß Sie mir es in Ihrem Leben nicht wieder verzeihen können.

Verzeihung! Verzeihung ist alles was ich sagen kann. ––––

 

Ich bath Sie, wenn es Ihre Geschäfte zuliessen, hieher zu kommen, –– aber wenn das Wetter so schlecht bleibt, so thun Sie es in keinen Falle, es könte Ihrer Gesundheit schaden. ––

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