Meine holde, meine geliebte

Josephine!

 

Ich rechne mir den Augenblick immer für den glücklichsten, in welchen ich mich meine liebe, liebe Josephine mit Ihnen wenigstens schriftlich unterhalten kann: ich hatte starke Hoffnung Sie meine Theuere heute persönlich zu sehen, u wünschte mir mit Freude die Zeit heran – doch mußte ich

auf Anrathen meines Vaters dieß sellige Vergnügen auf ein Paar Tage ausdehnen, indem auch er am komenden Dienstag seinen Besuch bey Ihnen zu machen wünscht, nur weiß ich nicht verläßlich, ob Sie denselben Tag ganz sicher Zuhause seyn werden, denn es war //2 vorige Woche etwas von einem Besuch nach Strobelhoff gesprochen, – wenn Sie allso meine liebe Pepi am Dienstag nicht abwesend seyn werden, so wünschet mein Vater mit Ihren lieben verehrten Ältern im nähern Vertrauen in Betriff unserer Verbindung u fernern Anstalten zu sprechen. – Ach meine gute Pepi! könnte ich Ihnen die selligen Empfindungen, die aus einen reinen Herzen nur für Sie meine Einzige, ausgehen, deutlich genug schildern. Doch hinweg, Sie wißen wie unaussprechlich ich Sie liebe, u bin im Gegentheile auch ganz von Ihren aufrichtigen Gesinungen überzeugt. Gott führe uns zum schönsten Ziele, u gieße seinen Seegen über uns aus.

Ich muß Ihnen doch ganz, die meine Verrichtungen des heutigen Tages beschreiben: in aller //3 Früh hatte ich mit zwey reisenden Salzburgern die mich besuchten zu thun, um 9. Uhr kammen die beyden Urbantschitsch224 zu mir, und wollten auf alle Fälle, daß ich mit Ihnen nach Ehrenau225 zum speyßen fahren soll, es wurde aber nichts daraus, indem ich noch mehrere Briefe die ich rückständig war zu schreiben hatte. Nachmittag war ich auf der Schießstatt, und jezt am Abend, bin ich bey meiner liebsten Beschäftigung, wo ich mich ganz mit meiner herzlichen geliebten Pepi befaßen kann. Ach! meine geliebte Pepi, warum bin ich jetzt nicht näher bey Ihnen, mein Herz ist so voll, von Empfindungen die ich nur wieder einzig u allein Ihren Herzen mittheilen könnte.

 

Genehmigen Sie unterdeßen meiner herzlichen Begrüßung, bis ich bald Gellegenheit habe, Ihnen persönlich zu gestehen, was ich hier nur den Papiern anvertrauen müßte.

Ihr Sie innigst im Geiste Küßender

Fidelis

am 4.t 7ber 825. 10. Uhr.

 

meinen Handkuß an Ihre lieben Ältern

An Sie u Ihre Angehörigen, alles schöne von meinem Vater.

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