Am 9. September.

Vor allem will ich mich mit Ihnen über etwas beschprechen, wo ich wünschte das wir gleicher Meinung wären. – Die Braut des Martinack226 hat mir vor einigen Tagen gesagt daß sie mich als Brautjungfer, und Sie, lieber Fidelio als den Brautführer, bey ihrer Vermählung zu haben wünschte. Martinack soll Montag nach St. Georgen,227 und wird vielleicht, (ich vermuthe es zwar nur) in dießer Angelegenheit zu Ihnen kommen, – wenn er also kommen sollte, so ist es mein Wunsch, daß Sie sich, wenn es auf eine schöne Art seyn kann, davon //2 loß zu machen suchten, – sollte es Ihnen aber

Vergnügen machen, so will ich es Ihnen zu Liebe wohl thun – doch sonst in keinem Falle wurde ich es annehmen. –––
Glauben Sie aber, daß wir uns dadurch einen Verdruß zuzögen, – so mußten wir freylich lieber nichts derglechen thun, überhaupt handeln Sie nach Ihrer Überlegung, – Sie wissen einmahl meine Meinung, auf jeden Fall bitte ich, mich so bald als möglich von der Ihrigen zu benachrichtigen.
Durch eine Visite bin ich heute so aufgehalten worden, daß ich Ihnen mein Geliebter nun in aller Eille nur sagen kann, daß wir uns alle recht wohl befinden; daß wir gestern in Dobrowa228 waren, daß ich den morgigen Tag in Strobelhoff zubringen werde; und –– daß ich den ganzen lieben Tag, an Sie mein guter, theurer //3 Freund! dencke, und mich recht freue, Sie bald zu seh’n. Adieu mein Theurer, Sie könen aus meiner Schrieft ersehen, wie sehr ich zum Ende eillen mußte.
Ihre
Sie wahrhaft liebende
Josephine

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