Mein holder Engel! Meine herzliche Pepi!

 

An einem Tage Sie mit zwey Zuschriften belästigen, wird vielleicht mancher für etwas zu Fall finden, doch ich kann es unmöglich umgehen, mich wenigstens mit meiner Geliebten, schriftlich unterhalten zu können. Ach meine gute Pepi ich lebe nur für Dich, ich will nur für Dich leben. O! wie peinigend ist Deine Abwesenheit für Deinen treuen Fidel – doch es bricht ja schon balde die Morgenröthe, alles nach dunkle wird klar, u reine ja die reinste Liebe soll //2 immerwährend unsern Bund befestigen.

Ach liebe Pepi, könte ich Dir beweisen, wie unaussprechlich ich Dich liebe, mein ganzes Leben sey stets nur Dir geweiht; verzeihe! ach vezeihe! daß ich heute ganz das vollkommene Eho meines aufrichtigen Herzens bin. Zwar sehen wir uns bald, doch glaubte ich, d[aß] Dir Zeit bis dorthin viel zu lang ausfallen dürfte.

Meine jetzige Schreibart bestehet in blosen Bruchstücken, doch hoffe ich wird das Herkommen //3 deßen, wohl jedermann leicht enträtzeln können. Heute war ich recht stark beschäftiget, u muß mich wirklich beloben, d[aß] ich recht brav war, zwar aus Schuldigkeit, der Geschäfte, doch dieser ja dieser soll heute der letzte Brief seyn, denn der Nachtwächter ruft schon die 11.te Stunde.

Gute Nacht, ja die beste Nacht mein Engerl am Sonntag sehen wir uns ganz gewiß, doch wäre mir sehr erwünscht, auch früher zu hören, wie es meiner geliebten Pepi, wie es der Mama etc. allen u allen gehet?

Ich küße Sie unzähligMahl im Geiste, u bin ewig u ewig

 

 

Am 21.t 8br nach 11. Uhr Abend.

 

Dein treuer        Fidelis

 

gute Nacht, meine gute gute Pepi.

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