Mein stolzer Herr!

 

Wocher dieser Titel? Höre ich Sie sagen, – hat sie mich vielleicht gesehen, –– als ich sie nicht sehen wollte? –– ja, ja, gesehen und lange gesehen habe ich Sie, –– wie giengen in der Mittelallee210 und Sie in jener an der Strasse, – immer sahe ich hin, und meinte, jezt, jezt wird Fidelio herüber sehen, aber nein! immer nicht, und immer nicht, bis Sie fort aus meinen Augen waren, –– nun da haben Sie die Quelle Ihres heutigen Titels, – ich muß es Ihnen sagen, wenn das oben gesagte wahr ist, so bin ich recht ordentlich böse, wenn Sie aber so vertieft waren, daß Sie uns würcklich nicht gesehen haben, bin ich aber ganz wieder gut, und ich eille Ihnen schnell wieder //2 einen andern Titel zu geben.

 

Mein lieber theurer F  i  d  e  l  i  s !

 

Sie können nicht glauben, wie sehr ich Sie vermisse, ich muß Sie wohl vom Herzen gerne haben sonst wäre ich nicht so ganz anders wenn Sie nicht hier sind, – seit sie heute fort waren, freut mich schon wieder keine Sache, und ich muß mich recht zusammen nehmen, um denen die um mich sind nicht lästig zu werden. Wir kehrten heute um halb 4 Uhr vom Spaziergange zurück, ich schrieb sodann an Marie211 bis es finster geworden ist, hernach sind die Wutscherischen212 gekommen und der Andrioli, wir spielten Wisth, wobey ich mich recht sehr langeweilte. Mama war bis halb 9 auf, und befand sich etwas besser als gestern, sie hat mich ein wenig ausgelacht, daß ich Ihnen schon heute etwas zu schreiben hätte, nachdem wir seit ein par Tagen ziemlich viele discurirt213 haben. ––

Wüsten Sie wo der verlorene Plutarck //3 gesteckt hat? Stellen Sie sich vor, der Bruder selbst hat ihn den Andrioli214 ausgeliehen, der vergeßliche Mensch, ich hab doch lachen müssen zu dem Gesichte,

was er machte wie der Andrioli um Vergebung bath, daß er das Buch so lange behält; ich muß ihn dafür noch eine kleine Straffe ersinnen, weilt er mich fast jeden Tag dieses Buches wegen plagte. ––

Mein theurer Fidel, für heute muß ich aufhören, die Mutter will durchaus daß ich schlaffen gehn soll, wenn es möglich ist so folgt die fortsetzung morgen. ––

Gute Nacht mein edler Fidelis, ich werde eine gute ganz gewiß haben, weil ich mir einbilde daß Sie mir villeicht eben in diesem Augenblicke eine solche wünschen. Adieu! denken Sie so oft an Ihre Pepi, als selbe an Sie.

des Abends.

Es bleibt mir heute nicht mehr Zeit übrig als Ihnen einen recht guten Morgen zu wünschen und Sie zu versichern daß ich Sie vom ganzen Herzen liebe.    Den 31 um 8 Urh Früh.

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