Geliebter Fidelis!

Laibach am 10. Decembre.

um 10 Uhr Abend. 1826.

 

m Schluße eines jeden Tages, kömmt es mir vor, als müsste ich Dir von denselben eine kleine Relation machen, ich thue es denn auch heute, – obwohl die Ältern und der Bruder darüber lächeln, daß ich Dir gerade jeden Tag schreibe. –

Heute Frühe war ich bis halb 12 Uhr in der Kirche, hernach blieb die Uranitsch bis zur Mittagszeit bey //2 mir, dann speiseten wir, und fuhren gleich nach Tisch, nach Kaltenbrun, von dort zurückgekehrt, giengen wir nach St. Jacob zur Litaney. Abend war die Frau Carnuff, die Phillip [et] Lotti, die Uranitsch [et] Marie, meine Ältern [et] Bruder und der Fabriotti bey mir, wir spielten und sangen, doch war ich dabey nichts weniger als froh, den mein Fidelio ist fern von mir. ––

Fabriotti ist untrößtlich über die Abreise Amaliens, so wie //3 ich mercke, mag es unter diesen beyden schon zu Erklärungen gekommen seyen, – doch weiß ich nicht bestimtes;

Heute schickte ich 3 mahl auf die Post, ob ein Brief von Dir da sey, erhielt aber nichts, ich tröste mich darüber, indem ich mir dencke, Du habest gestern viel zu thun gehabt, – aber Morgen werde ich hoffentlich ein Schreiben von Dir erhalten, weil es heute Sontag war, – wenn Du Dich anders nicht zu viel unterhälst? ––– //4

Kosuch270 war heute in Kleinitz271 den Grießputzer272 ansehen. Wir sind alle gesund, Gott gebe daß auch Du es seyest! –

Schlafe süß mein Geliebter! wie glücklich, werde ich seyn, wenn ich wieder in Deinen Armen werde träumen können! – Josephina

 

Die Ältern grüßen Dich [et] der Bruder. Empfele mich allen Bekanten.

Schreibe mir wie es mit Deinen Geschäften steht, und ob Du bald zurückkehrst.

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