Mein geliebtes Fidelis!

 Laibach den 18. Decem.

1826.

 Heute erhielt ich Dein Schreiben von Gestern, welches mich, seiner herzlichkeit wegen, unaussprechlich freute, mein Guter! ich sehe wohl, Du hast mich so lieb, wie ich Dich! und die Diesmahlige, lange, lange Abwesenheit, ist Dir auch so schmerzlich, wie mir. Wie ich mich freue, Dich wieder einmahl zu besitzen, ach! Fidelio, Fidelio, könnte ich //2 dieses Gefühl Dir beschreiben, – ich liebe Dich, wie gewiß keine Gattin ihren Gatten höher lieben kann, – jezt in Deiner Abwesenheit, wird mir jedes Wörtchen, zur bittern Vorwurf, mit dem ich Dich jehmahls beleidigt haben könnte, und mein ganzes Sinnen ist nur dachin gerichtet, Dich für die Zukunft ganz glücklich zu machen, und Dir nie! nie! nur mit einer Silbe wehe zu thun, ach mein edler guter Gatte, Deine Liebe ganz zu besitzen, Dieß ist mein höchstes Glück, Du bist mir treu? nicht wahr mein Geliebter? –––– //3

Unterander möchte ich doch wissen wer den Dein Freund Stainzel eigentlich ist? und von dem vorigen H. v. Langer, weis ich auch nicths. Du nanntest diesen im Anfange Deinen Reisegefährten, nun höre ich aber wieder den Nahmen Stainzl?

Wie hast Du dich gestern unterhalten? Ich war heute gar nicht aus dem Hause, wegen meinen öftern Kopfschmerzen.

Der gute Vater war heute in Kaltenbrunn, er findet daß die Arbeit langsam von statten gehn, es wird mehreres bleiben müssen über die Feiertage.

Das Geld, welches Du mir gelassen hast, habe ich alles verbraucht, vür282 Bretter et[c], et[c]. – (K)omm bald //4 sonst muß ich Schulden machen. –

(A)ch Gott! wie es mir langweilig ist, ich kann Dir es nicht sagen, – wenn ich nicht bey meinen guten Ältern wäre, und wenn nicht öfter wer mich besuchte, ich glaube ich müßte

Morgen gehe ich, um mich zu verstreuen in’s Liebhabertheater, man giebt den Wirwar,283 – ich muß mit der Uranitsch gehen, weil sie mich heute darum ersuchte, sonst wäre ich lieber mit der Wagner gegangen.

Lebe wohl, tausend Küsse im Geiste, und die herzliche Bitte komm bald, sonst werd ich richtig

Desperat

Josephine

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