am 20ten Juny 1828.

Aus Deinem geschwinden Schreiben vernehme ich sehr gerne, daß Ihr in besten Wohlsein an Ort u Stelle des Gesundheitslagers angelangt seyd, nur rathe ich, als höchster Theilnehmer, emsig wie die Biene nur das gute, das gedeiliche370 von diesem großen Lager zu saugen, indem unter denselben vieles der Gesundheit schadhafte Gift zierlich darunter versteckt u verborgen liegt. Ich will zwar keine Moralpredigen, doch ist manchmal für den besten stärksten Menschen eine kleine Aufmerksamkeit nicht schadhaft. //2
Sehr angenehm ist es mir, daß Ihr ein schöneres größeres Zimmer bekommen habt, den für das Stübmädchen wäre im vorigen ohnehin kein Platz gewesen.
Mit H. v. Schonta habe gestern Gelegenheit gehabt zu sprechen, und wir setzten unsere Abhollungsreise zusammen mit unsern Wagen einen guten Tag früher fest, damit wir in dieser Zeit doch wenigstens Zeit gewinnen, die an unsern guten Weiberln angethanen Frevel nach Verdiensten zu rächen, wir erschenien mit Degen u Pistollen ––––– ––––––
Gott gebe! Daß kein Blut fließen möchte. ––––– //3
Vorgestern wurde hier der Laibachfluß gesperrt,371 u ich benuzte diese Gelegenheit recht gut, indem wir gerade die Wehrkästen372 fabriziren, ich hatte 24 Menschen in Arbeit, u das Waßer bleibt von 10. Uhr Morgens bis 6. Uhr Abend ganz aus, wir raßirten die Insel in der Mitte erbärmlich, u hoffe, daß das Waßer in der folge ganz nach unserer Beyer tanzen wird. In unsern neuen Quartier sind gestern in allen 4 Zimmern die Glockenzüge eingezogen worden, man wird in jeden Zimmer anziehen können, auch die Thöre sind grundirt, nur der Langus ist von keiner Seite zu erblicken.
Doch hoffen wir daß er komende Woche anfangen wird. //4
Übrigens sind wir recht gesund u wohl[,] der H. Vater läßt sagen, daß die beyden der Freyheit überlaßenen Kanarienvogel anfangen Federn u Flügeln zu bekommen, gestern Abends machten Sie schon ingremio373 einen Ausflug bis in der Jamnikischen Garten, deßwegen wäre rathsam diesen Vögeln keinen zu langen Freyheitsraum zu laßen, es könten denselben unterdeßen noch stärker die Flügl wachsen, u könnten durch zu weit gewagte Ausflüge verlohren gehen: doch nein! Sie singen ja noch immer nach den alten Flötel. – Von allen Bekannten Grüße u bestes Angedeihen. Ich küße mein liebes Täuberl herzlich, wie auch die Mama[,] an alle Bekannten, besonders an Fr. Julie v. Schonta meinen Handkuß.
Dein ewig treu liebender
Fidelio

© 2016 Zgodovinski arhiv Ljubljana. Vse pravice pridržane.

Prilagoditev pisave