Kaltenbrunn am 1ten Jully 828 Uhr Abends.

Meine innigst geliebte Josephine!

 Indem ich heute den Tag hier zugebracht u auch übernachte, so kann ich nicht umgehen, Dir Geliebte, auch von unsern Landsitz, einige Zeilen einzubegleiten. Heute war die Praemen-Vertheilung, zu welcher Function der H. Kreiskomisär v. Lehman400 H. Ulepitzk,401 Zenker der alte402 [,] H. Zetel

u H. Malitsch erschienen sind, welche alle außer den Malitzh hier zu Mittag gespeißt haben. Unsere gute brave Mitza hat sich sehr ausgezeichnet, Sie machte ein so ordentliches u gutes Mittagsessen, wie es nur seyn kann. (N)ähmlich!

  1. Eine prächitge Reissuppe
  2. Prachtvolles Rindfleisch mit Rübesel Soß
  3. Gesatelte Kalarabi
  4. Tauben in schwarzer Soß //2
  5. recht gut ausgefallene Vogelnester
  6. Nürenbratten403 mit Pomeranzensallat
  7. gebachene Hendel mit Haipelsallat404
  8. 405 Amarillen und Kirchen

Extrawein, Pikolit, mit Piskuitten[,] Kaffee. Alles war recht vortreflich zugerichtet, so daß die Herrn gesagt haben, daß hier eine recht ausgezeichnete Köchin seyn muß. Es wurde zwey Mahl auf die Gesundheit, meiner edlen Frau Gemahlin getrunken, welches ich mit vielen Vergnügen recht gerne annahm. In der Früh wurden die Herrn bey Anku[n]fft mit Extrawein u Piskotten bedient. Ich stand schon um halb funf Uhr auf, um alles gehörig anzuordnen u von Laibach mitzunehmen, die Resa ist auch brav, sie kam auch schon um 5 Uhr nach Laibach, u hat einen ziemlichen Korb herabgetragen, die Köchin aber fuhr mit mir, mit dem Kuchelwagen.406 //3

Gestern erfreute mich Fr. v. Lukmann mit einen Brief von meiner lieben Pepi. Schon auf den Abend, den ich unterwegs auf den Spaziergang in die Lattermans Allee erhielt, der mir den Spaziergang doppelt werth machte.

Ich danke Dir lieber helder Engel recht herzlich, daß Du am Sontag nichts getanzt hast, Du weißt liebe Pepi, ich tanze selbst gern, aber wenn man das Bad als Kuhr gebrauchen will, so muß man wirklich behutsam zu Werke gehen. A conto deßen sparre ich Dir tausend Buserl auf.

Denke Dir Pepi! was habe ich gestern schönes, ja recht schönes gekauft, eine 3 ½ jährige Harmelin, die Schwester von der Luzka ganz, ganz gleich in der Farb u in der Bauart, noch schöner wie die Luzka, um 52. ƒ. Diese gehört ganz Dir. Du wirst Dich wirklich selbst verwunden, allen gefällt sie bestens. //4

Ich muß heute hier in Kaltenbrunn bleiben, weil ich morgen in aller Früh das Thor ober den Gregischen Mühltract, durch die Maurer durchschlagen laße, dieß ich eine a kurate Arbeit, damit solches ganz nach meinen Wunsch gemacht wird.

Alles ist hier vortrefflich, nur Langeweil plagt Deinen Fidelis, nach seiner heiß geliebten Gattin.

Die Kartoffeln von uns stehen zum bewundern schon, heute ist Deine Linsen, in die neue Harffen eingelegt worden, davon ist etwas über einen Stand.

Morgen in aller Früh sende ich den Thomas in die Stadt um einen dicken Trambaum, welcher zugleich auch diesen Brief auf die Post aufgeben wird. Hiemit muß ich schließen, weil er schon das zweyte Mahl angefragt hat. Thausend u thausend Küße sendet Dir Dein Fidel durch die dunkle Nacht. Sey mein u ich ewig Dein

Fidelis

An Fr Mama alles schöne.

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