Laibach am 23t 10 Uhr Morgens

Mein geliebtes Weibchen!

 Ich erhielt Dein liebes Schreiben, durch Gütte der Fr. Präsidentin woraus ich vernehme d[aß] Dir noch immer das Bad etwas zu warm vorkömmt, allein dieß hat nichts zu bedeuten indem gerade Deine Krämpfzustände immer mit Wärmme erleichtert u gehoben werden, ich hoffe das beste von dieser Badekur jedoch bitte ich Dich sich vor sehr möglicher Verkühlung in Acht zu nehmen, indem man in Dein Zimmer von Bad aus freye Luft paßiren muß, den ich spreche aus eigener Überzeugung, indem ich mir durch Verkühlung bey dem Nacheßen nach dem dortigen Bad, eine ziemliche //2 Husten u Strauche zuzog, welche von der offenen Speißesallthür herrührt, vor welche ich an dem Abend gerade zu sitzen kamm.

Gestern am Sontag habe ich Fr. v. Galle[,]Amelie Reja u Amalie Fabriotti über Schishka durch die Allee spatzieren geführt, u wir fuhren sodan nach Rosenbach, wo die Bande mit 24 Trompettern Tanzmusick hielt, gegen dielezt wurde auch getanzt, es waren bey 400 Menschen draußen, dann gingen wir gegen 7 Uhr in die Sternallee, in welcher die türkische Harmonie Musick war u welche bis 10 Uhr bey Beleuchtung recht gute Stücke vortrug, der Besuch //3 war sehr stark, alles strotzte von Menschen und vergnügte wirklich sehr den schönen Abend. Doctor Postran541 war auch bey dieser Musickgesellschaft, er fuhr von Stein mit H. Ruß, Piller u Rack542 am Abend ein, er war vor zwey Tagen in Krainburg bey der Fr. Marie Zach, besuchte auch die Thurner, u fand die Pepi543 ziemlich wohlauf nur etwas blässer soll Sie geworden seyn, sie säugt nicht selbst, er soll große Freude an den kleinen Thurner544 haben.

Um wieder auf unsere Rosenbacher Gesellschaft zu kommen, muß ich Dir auch solche zergliedern es gehörte dazu auch die ganze Pessiackische Familie, Fr. Luschin, Strangfeld, Karnuf samt den alterthumlichen Anhang. – //4 Dr. Thraun545 und Tini halten im Zurückgang-Unterhaltung, alles hatte sein Ständchen, nur ich zog wie ein verlohrnes Schäffchen von einer Seite zur andern, man sagte mir, d[aß] man mir dieß ansehe (und es war wirklich) den ohne meiner Josephintzka könte ich auch den Himmel nicht erkennen; siehe liebes Weibchen so lieb hab ich Dich, obwohl ich mir dieß bey Deinen Besitz nicht gar so vorstelle, ich dachte sehr oft, ob du vielleicht badest, ob du vielleich einen Spaziergang zur steineren Brücke, oder vielleicht wohin anderst mochtest, kurz! ich war sehr viel bey Dir, deßwegen mich die Gesellschaft zur Hälfte abwensend gefünden haben mochte. //5

Fabriotti wird morgen mit Frau u Schwägerin nach Roitsch fahren, Sie wollen das Annafest dort mitmachen. Der kleine Fabriotti546 ist gestern nach Görz abgereist, ich hatte Tagsvorher sehr viel zu thun, indem ich mich mit allen Kräften anstrengte, daß ich bey den langsammen Landrechte, die Sachen für die zuwider Fang heraus bekamm welche er nun mitnahm.
Dr. Stermolle547 ist gestern gestorben. (U)nsere Zimmermaninn ist vorgestern mit einen Knaben und einen Mädchen niedergekommen, ich u Du waren zu Taufpathen ersucht, allein da ich auch hier zu thun hatte, so war statt Deiner, unsere Marie548 und Mons. Franz. //6

Vater u Tiny befinden sich recht wohl, ich habe denselben mein junges Pferd abgetretten, welches nun eingefahren wird; u welches schon recht gut fahrt.

In Kaltenbrunn ist alles in der gewöhnlichen Ordnung die Harpfen sind ganz voll, u es mangelt uns an Einlegplatz welches wir aber schon abhelfen werden, auf dem Laibacherfeld ist der Zehend549 etwas schwächer als voriges Jahr ausgefallen. Im politischen nichts anders daß unsere Landwehr mit den Trompettern nach Görz kömt.

Lebe recht wohl mein liebes gutes Weibchen es küßt u umarmt Dich im Geiste unzahligeMahl

 

Dein Fidelis

 

an Fr. von Fontana

ein Grüßchen u Küßchen von Vater et Tiny alles schöne

© 2016 Zgodovinski arhiv Ljubljana. Vse pravice pridržane.

Prilagoditev pisave