Liebe gute Josephine

 Paris555 am 27t Jully 1832.

Zum Beweise wie sehr zerstreunt die Frauen in Abwesenheit Ihrer Männer (Gott weiß aus welcher Urscahe werden) zeuget das hier inliegende Blatterl. Ich will nicht glauben, daß auch Deine schöne Gefährtin an dergleichen Zerstreuungen laborirt, es muß der Homeopath bey der Cillier-Reiße näher an Dir geseßen seyn, u die Wirkung äußerte sich erst spätter, so, d[aß] man nicht einmahl weiß, wo man lebt. –––––

Gut ich will alles angehen laßen nur nicht des guten zu viel, damit man seine 5. Sachen schön zusammen hat.

Daß sich Schlaff u Apettit einstellte //2 will ich wohl glauben, den sonst habt Ihr ja außer spatzieren ja nichts zu thun. Bade ja recht fleißig nach meiner Meinung auch während der nächsten Contumatz, welche wenn ich nicht irre mit Anfang August eingehet.

Tini ist heute mit H. Pessiack556[,] Fräule Reja u Bruder nach Roitsch abgefahren, 557 wenn ihn dort gefällt so läßt er die andern selbst zurückfahren, u kommt zu Ende der andern Woche nach Tiefer

u ich komme am Samstag am 4.ten August Abend nach Cilli, wo ihr mit Tini auch eintreffet, u am Sontag fahren wir nach Roitsch, solltest Du aber //3 mit Deinen Sachen nicht fertig seyn oder nach länger baden, so bitte ich mit ersten zu berrichten. Im Fall aber der Tini mit der andern Geselschaft zurückkehret, so komme aber ich Dich am 3ten August Abends abhohlen, doch so, daß wir erst am Samstag Nachmittag oder am Sontag von Treffen abfahren –– jedoch nach Deinen Belieben.

Gestern kamen die H. Reja,558 Pessiack u Tini Nachmittags nach Kaltenbrunn mit dem Dreyrad, allein das Kleblatt559 hat vor den alten Majerhoff560 das Kleeblatt ein tiefes Compliment //4 gemaht, nähmlich M.561 Tini hat wie überhaupt zu schnell, um das Eck wo man von hinter Schloßberg in die Pollana strasse einfahrt, eingeleitet, das vordere Rad stieß am einen Stein, das Dreyrad machte eine Prekuzies u schleuderte alle 3. Herrn auf einen Haufen übereinander, zum Glück hat sich keiner im geringsten beschädigt, das Pferd ist durchgegangen, und hat verschiedenes an dem umgeworfenen Cabriol Theils verbrochen, theils niedergedrückt. (J)edoch ist das Pferd nicht weit u ist stehen geblieben, Tini hat nach meiner schon frühern Meinung Lust, bald 4 Räder machen zu laßen. ––– //5

Hier gehet alles in der Ordnung, viel zu thun habe ich, in Kaltenbrunn und wieder hier indem ein Fabriotti nach Görz u der andern nach Roitsch abgefahren ist. Übrigens sind wir alle gesund, blos die Marie hatte vor 2 Tagen Ihren Magenkrampf bekommen, ist aber nun schon gut. Die Post wird sogleich abgehen, ich muß schließen, u Dich noch einMahl auf den Homoepatischen D.r aufmerksam machen, überhaupt haben die Doctores einen Schneidt auf Dich. –––

Ich grüße u küße Deine schöne Gefährtin herzlichst, u wenn der D.r nicht nachgiebt so komme ich meine liebe Marie statt Josephine abhohlen.

Dein Dich troz dem noch immer liebender Fidelis.

Küße, küße küße Dich herzlichst.

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