Wohlgebornes Hochgeehrtes Fraulein!

 

Mir liegt es wirklich zu nahe am Herzen, daß ich nicht gleich augenblicklich, sowohl den Erhalt Ihres theuern Schreiben v. 22. März als auch 7. Aprill, daß ich vor wenigen Minuthen erhalten, zu Ihrer Beruhigung bestättigen möchte: Ich bitte mir, als ungeschickten Neuling, in dieser bedeutenden Sache, diese Verzögerung, mild nachzusehen, von Ihrer güttigen Huld, gleich größern Gebrauch zu machen; indem mein Temperament von jeher mehr dem Nachkommen, als der Voreiligkeit entsprochen, setzte ich dießes //2 auf die verfloßene Woche fest, wovon mich aber eine kleine Unpäßlichkeit abhielt, und dasselbe auf kommende Tage übertragen mußte. Wirklich! mein Stillschweigen konnte diese gefaßte Vermuthung erwirken; doch bleib dieß immer ein stilles Geheimniß für uns, u Sie schätzbahrstes Fräulein, die immerwährende Beschäftigung meines Geistes. –––

Immer mehr! immer reiner, entfalten sich geehrtes Fräulein Ihre schönen eigenschaften! die sanftmüthige Sorgfalt, die Sie Fräulein, in Ihren letzten theuern Schreiben, erkennen laßen, giebts der

//3 vollen Stempel Ihrer erhabenen Denkungsart: –––

O! könnte ich Sie Theuerste Josephine bald von meinen aufrichtigen Gesinungen vollends überzeugen! ich nehme mir den Muth, mit Ihren lieben H. Papa selbst zu sprechen, u wage für Ihren Besitz, alles!

 

Ihr ergebenster Fidelis Terpinz

 

Krainburg 10. Aprill 825.

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