Triest um 12 Uhr Mittags am Sontage.

Liebes gutes edles Weiberl!

Ich wünsche Dir zu allererst einen recht guten schönen Tag, u daß Du heute so gut geschlaffen hättest wie Dein Fidel, denn gestern waren wir mit H. Stanzel schon vor 7. Uhr im Bette u schlieffen recht sanft bis heute 9. Uhr. Nach dem Aufstehen gieng ich in die Kirche zu den Jesuiten, alwo ich aber um etwas die Mese versäumte, darauf ging ich zum H. v Rubesa,268 wo ich ersuhe, daß morgen die Tücher zu meßen angefangen, welches aber in 2 Tagen schwer geendet wird, indem der Tag so kurz ist, von H. Rubesa ging ich wieder Nachhause da begegnete ich unterwegs den H. Fontana et frau, an welche ich mich anschloß u wieder in die Kirche zu St. Antonio vechio ging, alwo wir eine große u eine kleine Mese gehört haben, ich bethet heute so viel, ach liebe Tepka, //2 so viel, u so kräftig für Dich, daß mir einige Mahl Thränen in die Augen kammen. O! Du guter Engel, wenn ich Dich nur jezt küßen könnte, Du bist so mein, Du wirst sehen Pepi wie Du mein bist, ich war nie so lang von Dir entfernt, wahrlich ich müßte erkrenken, wenn ich bedeutenden von Dir jemahls seyn müßte, spare mir Weiberl recht viele Bußerl auf, welche Dir dein treuer Fidel herzlich zu erwiedern, voller baldiger Hoffnu[n]g, brennt.

Nicht wahr Pepi Du bist mein?

Ich bin froh, daß mir auch das Tuch gut aufgenomen wurde, indem man dabey in die Zukunft nicht viel zu thun, u einen beßern Nutzen haben wird, auch dießmahl bin ich zufrieden, ich glaubte daß mich diese Reise et Fracht vielmehr kosten wird. – //3

//Nadaljevanje na str. 3// Ich war beym Nachhausegehen, von der Frau Fontana wieder zum Eßen eingeladen, allein dort speisen sie mir etwas zu spätt u so habe ich heute dafür gedanckt, indem ich nach Beendung dieses meines Schreibens, welches meinen, obwohl erforderenden Magen vorgehet, auf Gesundheit meiner Pepi, recht wacker gegeßen wird. Mein Freund ist heute zum H. Velasti269 eingeladen, und auf den Abend sind wir beyde durch die Fontana zum H. Castagnia eingeladen, wo auch gespielt wird.

Ich wünsche Dir, daß Du Dich mein gutes Weiberl heute recht gut unterhalten möchtest, u schreibe mir wo Du heute warst, denn der Breif wird mich vermuthlich noch hier antreffen, weil ich alles in Ordnung haben will. Lebe mein süßer Engel so angenehm als Dir Dein liebender Gatte nur immer wünschen kann, u gebe Gott! ein baldige Widersehung Deinen treuen Fidel.

//Ob robu// An unsere guten Ältern alles schöne. Den H. Papa bitte ich er soll nicht böse seyn, wenn er für mich zu viel zu besorgen hätte …

//Na str. 2’// Verzeihe mir liebe Pepinzhka daß ich Dir so einen ungeschickt geschriebenen Brief einsende, ich glaubte, beym Überschlagen daß ich schon auf der lezten Seite bin. Empfange allso auf diesen erwünschten Blatt meine im Geiste Dir zusendenden unzähligen herzlichen Küße u Umarmungen

 

von Deiner Fidelis. Adieu liebe gute Pepi.

© 2016 Zgodovinski arhiv Ljubljana. Vse pravice pridržane.

Prilagoditev pisave