Triest am 20ten Xbr. Mittags 826.

 

Geliebte innigst geliebte Gattin!

 

Die so späte Ankunft Deines lieben Schreibens von 17. d. welches ich vor wenig Augenbliken erhielt machte mir die heutige Nacht, ganz unruhig, u beraubte mir gänzlich den Morgenschlaff, ich konnte nichts anders, als immer u immer nachsinnen, was meiner guten edlen Seele zugestoßen wäre, doch ahndte ich kein Unglück, indem ich weiß, d[aß] Dich auch unser gute Gott, samt meiner gewiß auch liebt, weil Du so gut, u edel bist; aber der Gedanke, d[aß] Du vielleicht auf mich was schlimm wärest? war gewichtiger, es wäre nichts quallvolleres für Deinen Dich aus ganzer inigsten Seele liebenden Fidel, als wenn Du ihm dieses fühlen ließest; von allen dem aber hat mich gänzlich dein Schreiben beruhiget. Ah! liebe Pepi, wie schön wie herrlich ist es bey Dir, ich darf //2 gar nicht darauf denken, wie wir schön beysammen seyn wollen, immer will ich bey Dir seyn, Pepi! Du kanst Dir keine Idee machen, wie enge Deines treuen Fidelis Brust ist, immer schwebt mir Dein liebevolles schönes Bild vor den Augen; ich müßte wirklich sterben, wenn ich noch so lange Zeit von Dir entfern seyn müßte; bis auf die 3 letzt verfloßenen Tage war mir noch etwas erträglicher aber seit dem verfloßenen Sontag, ist schon ganz kurios in meinem Innern. ––––

Morgen haben sich meine Leiden, ich reise morgen in der früh mit einem gut bedekten Wagen ab, u werde, am Freytag Abend, wenn wir nicht wo aufgehalten werden, bey Dir, geliebte Pepi! Ich habe die fernere Abmessung des Tu[c]hes an H. Cristian übertragen, welcher alles besorgen //3 wird, den sonst hätte ich in den Feyertagen reisen müßen, u da ist unter andern besonders auf Deine gute Mama nicht eingenohmen. Dieß wird allso mein letztes Schreiben seyn, habe ja keine Sorge für meine Dahinreise, denn wir sind vier, u wollen nur beym Tag fahren, deßwegen Du liebes Weiberl gar keine Sorge haben sollst.

Am Samstag in der Früh, wenn Du gesund ganz gesund seyn wirst, u wenn nicht schlechtes Wetter wird, werden wir zusammen nach Kaltenbrun fahren, wenn es Dir recht ist. ––

Ich war schon lange Zeit in kein größerem Vergnügen, als eben jezt, da ich meiner geliebten

Josephine sagen kann, daß ich Sie bald sehr bald herzlich umarmen werde.

Unterdeßen küßet Dich aus ganzen Herzen

Dein Fidelis

 

//4 Ich küße deine liebe Mama die Hände!

Ich bitte an Alle meine Grüße zu entrichten besonders dank ich Deinen lieben H. Vater, indem er mir wirklich so viel besorgt.

An meinem Tini, wie auch sonstige Freunde Lukmann etc meinen Grüß.

 

Adieu liebe, beßte Gattin!

© 2016 Zgodovinski arhiv Ljubljana. Vse pravice pridržane.

Prilagoditev pisave